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Atempause

Nun ist es also ein Virus, das der ganzen Welt eine Atempause geradezu aufzwingt.

Erstaunlich, dass erst so etwas passieren muss, damit wir uns daran erinnern, wie bedroht und brüchig unser Leben ist? Denn es war ja auch vorher nicht unendlich und ohne Gefahr - nur hatten wir uns schon so daran gewöhnt, einfach so drauf los zu leben, zu tun und zu machen und zu agieren, als gäbe es kein Ende, keine Grenze, keinen Tod.

Auch die jetzt geforderte Rücksichtnahme und Achtsamkeit aufeinander waren schon immer geboten? Nicht erst jetzt gilt es, die Schwachen und Kranken zu schützen - das ist eine zutiefst menschliche und ständige Aufgabe! Ebenso ist die Sorgfalt auf unser eigenes Wohlbefinden an Leib und Seele eine Pflicht, die wir uns und anderen zuliebe nicht hätten vernachlässigen dürfen. Doch im Trubel des Lebens und im Drang, all die unendlich scheinenden Möglichkeiten, die diese Welt uns bietet, auszuschöpfen, ist all das arg in Vergessenheit geraten.

All die Dinge, mit denen wir uns sonst täglich beschäftigten, die wir so unermesslich wichtig nahmen - sei es in Sachen Arbeit oder Freizeit - und die uns kaum Zeit zum Durchatmen ließen, sind jetzt aufgeschoben, ausgesetzt, sie bleiben ungetan. Und doch leben wir, sind wir lebendig in diesem Augenblick!

Was macht wahrhaft das Leben aus? Nutzen wir diese Atempause! Lasst uns versuchen nachzuspüren, was das Leben ist, worunter wir leiden, worauf wir hoffen und was uns wirklich trägt!

Pastorin Sylvia Fuchs, St. Marien

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