Andacht zum Mitnehmen am Sonntag Jubilate

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Veröffentlicht am Mo., 4. Mai. 2020 13:49 Uhr
Gottesdienst und Andachten

Der dritte Sonntag der österlichen Freudenzeit heißt Jubilate. Das heißt: Jubelt!

„Jauchzet Gott, alle Lande!“ so beginnt der 66. Psalm. Jubeln und Jauchzen – danach steht in der momentanen Krise kaum jemandem der Sinn. Die Probleme, die das Corona-Virus in allen Landen verursacht, sind zahlreich und nehmen existenzbedrohende Ausmaße an. Betroffen sind so gut wie alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Was gibt es da zu Jubeln?

Andererseits: Was geschieht mit uns, wenn all unser Denken nur noch um die Krise kreist? Tatsächlich bieten gerade schwierige Situationen auch Gelegenheit, dankbar zu sein. Dankbarkeit hilft, die Opferperspektive zu verlassen und offen zu bleiben für die Schönheit, die Freude und das Gute. Probleme benennen, Klagen, Trauern – das alles hat Platz im Glauben. Aber ständiges Lamentieren und Murren schafft ein Klima, das niemandem guttut. Deshalb sollten wir uns jeden Tag auch ein wenig im Schauen und Staunen, im Danken und Loben üben.

So haben wir für diesen Sonntag die Andacht zum Mitnehmen absichtlich auf buntes Papier gedruckt. Die Welt bleibt bunt, es gibt so vieles, was wir immer noch haben und können. Lasst uns darauf schauen und daraus etwas machen!

Dazu erinnert uns das Evangelium – die gute Botschaft – dieses Sonntags mit dem Bild vom wahren Weinstock und den Reben daran, dass wir im Glauben zuverlässig verbunden bleiben mit der göttlichen Lebenskraft.

Bleiben Sie behütet! Gott ist mit uns.

Pastorin Sylvia Fuchs

 

Psalm 66

Jauchzet Gott, alle Lande!

2 Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!

3 Sprecht zu Gott:

Wie wunderbar sind deine Werke!

Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

4 Alles Land bete dich an und lobsinge dir,

lobsinge deinem Namen.

5 Kommt her und sehet an die Werke Gottes,

der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

 

6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land,

sie gingen zu Fuß durch den Strom;

dort wollen wir uns seiner freuen.

7 Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich,

seine Augen schauen auf die Völker.

Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

8 Lobet, ihr Völker, unsern Gott,

lasst seinen Ruhm weit erschallen,

9 der unsre Seelen am Leben erhält

und lässt unsere Füße nicht gleiten.

 

 

Evangelium – Johannes 15, 1-8

1Christus spricht:

Ich bin der wahre Weinstock

und mein Vater der Weingärtner.

 

2Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt,

nimmt er weg;

und eine jede, die Frucht bringt,

reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

 

3Ihr seid schon rein um des Wortes willen,

das ich zu euch geredet habe.

 

4Bleibt in mir und ich in euch.

 

Wie die Rebe keine Frucht bringen kann

aus sich selbst,

wenn sie nicht am Weinstock bleibt,

so auch ihr nicht,

wenn ihr nicht an mir bleibt.

 

5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;

denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

 

6Wer nicht in mir bleibt,

der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt,

und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer,

und sie verbrennen.

 

7Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,

werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

 

8Darin wird mein Vater verherrlicht,

dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Anselm Grün

Schauen, was trägt

Er hat gelernt, in jedem Augenblick achtsam zu sein.

Er richtet sich auf und blickt umher.

So nimmt er bewusst die Berge wahr, die ihn umgeben,

den See, an dem er entlanggeht.

Er hört die Vögel und das Rauschen der Wälder.

Dann steigt in ihm wieder Freude auf.

Er spürt, dass er selbst Verantwortung für seine Gefühle hat.

Er kann entscheiden, worauf er seinen Blick richten will,

auf die negativen Ereignisse des Tages

oder auf die Schönheit der Natur, die ihn umgibt.

Das ist ein gesundes Sich-Distanzieren vom Alltag,

um mitten in den Problemen das zu schauen, was ihn trägt.

Es ist der gleiche Weg, den Henri Nouwen empfiehlt, wenn er sagt:

„Klöster baut man nicht, um Probleme zu lösen, sondern um Gott mitten aus den Problemen heraus zu loben.“

Im Loben komme ich mit der Freude in Berührung, die in mir ist.

Ich verschließe die Augen nicht vor den Problemen,

aber ich höre auf, mich auf sie zu fixieren.

Ich kann mitten aus den Problemen heraus auf Gott schauen,

der mich trägt.

Dann verwandelt sich meine Stimmung.

Ich bin offen für die Freude und die Lebenskraft,

die mich durchdringen möchte.

 

 „Wir sind nicht dankbar, weil wir glücklich sind – sondern wir sind glücklich, weil wir dankbar sind.“ (David Steindl-Rast)

 

Gott segne dich und behüte dich

Gott lasse leuchten

sein Angesicht über dir

und sei dir gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf dich

und schenke dir seinen Frieden.

 

Amen

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